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Historische Serie Teil 6/9 - Wie Motorsportler den Eishockeysport retteten
09.12.12, 13:41 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Im neu eröffneten Waldstadion spielten die Männer von Einheit Niesky ab 1967 als Neuling in der Gruppenliga Ost. Insgesamt gab es in dieser zweithöchsten Klasse fünf Staffeln. Der sportliche Erfolg war zu dieser Zeit mäßig. Ein neuer Boom setzte wieder ein, als Ende der siebziger Jahre der Umbau des Eisstadions erfolgte – und erneut mit vereinten Kräften das wundervolle Waldstadion hergerichtet wurde. Dabei übernahm vor allem ein Nieskyer Sport Urgestein das Zepter. Die erste Saison von Einheit Niesky in der Gruppenliga endete in einem Fiasko. Die SG Drespo Dresden, Einheit Geising und Einheit Görlitz zogen Konsequenzen aus den geradezu eishockeyfeindlichen Beschlüssen der DDRFührung und nahmen ihre Teams aus diesem Spielbetrieb zurück. So blieben nur noch Dynamo Zittau 1. und 2. sowie Niesky übrig. Mit Sport hatte das nichts mehr zu tun. Gegen Zittau eins verlor Niesky 1:17. Wegen der „schlechten Bedingungen“ wertete man diese Niederlage als Freundschaftsspiel. Gegen Zittau zwei gab es ein 3:8. Meister somit der erste Zittauer Volkspolizeiverein. Daraufhin verzichtete Niesky auf die nächste „Notnagel-Saison“. Um einfach Eishockey spielen zu können, stieg Niesky notgedrungen 1969 erneut in die Gruppenliga ein. Für zwei Serien, wieder mit drei Mannschaften, wieder mit den Dynamo-Siegern aus Zittau. Niesky wurde sogar einmal Zweiter, nach zwei Siegen gegen die ZSG Seifhennersdorf. 1971 löste sich dieser sportliche Irrsinn auf. Die Nieskyer konnten sich auf die eigentlichen, perspektivischen Aufgaben konzentrieren: publikumswirksame Begegnungen organisieren, Teilnahme an internationalen Turnieren in Polen und Tschechien, Modernisierung des Waldstadions mit Einbau einer Betonfläche, neuer Lichtanlage und Bande. Das wurde zur wichtigsten Aufgabe. Bernd Besser, der von 1967 bis 1973 bei Einheit stürmte, sagt dazu: „Da das Stadion nur einen mit Splitt verfestigten Boden hatte, versickerte beim Eismachen eine Menge Wasser. Mehrmals musste gespritzt werden, vorausgesetzt, die Minusgrade stimmten. Das dauerte die ganze Nacht. Wir Spieler räumten vorher die Fläche von Schnee und Eisresten. Am schönsten war es dann immer so gegen 22 Uhr, als der Horst Bürgel (Fleischermeister und selbst Eishockeyspieler d. A.) einen ganzen Rucksack voll frisch gebrühter Bockwürste brachte.“ Der Umbau des Waldstadions begann 1978 und dauerte von Mai bis September. Martin Jandik, damals Objektleiter im Waldbad/Waldstadion, übernahm als handwerkliches Multitalent die Funktion eines Bauleiters. Modernisiert wurde das Waldstadion in VMI-Arbeit, das heißt als Objekt der volkswirtschaftlichen Masseninitiative. Freiwillige Arbeitsstunden, die Hilfe der Handwerker und Betriebe und vor allem notwendige Beziehungen mit- und untereinander, waren die für einen Erfolg notwendigen Voraussetzungen. „Zunächst stand das Einbetonieren der 30 mal 50 Meter großen Fläche an. Von den Baustoffwerken bekamen wir den Beton. Der war, wie alles Baumaterial, mehr als knapp. Aber Werner Schikora aus Horka, der im Betrieb arbeitete, machte das möglich“, erinnert sich Martin Jandik. Auch um das Einbetonieren der zwölf neuen Lichtmasten, errichtet im Stahlbau unter der Regie von Joachim Gäbler, kümmerte sich der Baustoffwerker. Immerhin: Ein Mast brauchte acht Kubikmeter. „Manfred Junker vom Sportstättenbetrieb musste sich um die Bezahlung des Betons kümmern. Den gab’s leider nicht umsonst. Bürgermeister Leopold bezahlte ohne Murren. Die Scheinwerfer besorgten wir uns aus Weißwasser.“ Eine besondere logistische Meisterleistung beim Umbau war die Installation der Scheinwerfer. Die fanden unter Jandiks Idee und Regie mit einfachsten Mitteln an den zwischen den Masten befestigten Seilen in vier Metern Höhe ihren Platz. Willkommene Hilfe dabei leistete sogar ein Kleintraktor der IMO. „Wie wir das machten, glaubt uns heute keiner mehr“, schmunzelt der inzwischen 74 Jahre jung gewordene Bauchef. Die Elektroarbeiten übernahmen zwei Fußballer von Motor Niesky: Dieter Kalms und Heinz Geppert. Über 32 000 Watt machten 1967 die eisigen Abende zum Tag. Eines aber vergaßen die Planer und Erbauer vor 32 Jahren: eine befestigte Straße zum Eingangstor der Eisarena. Da raste einst Dr. Heinz Passehr mit einem Wartburg- Melkus RS 100 auf dem unbefestigten Weg Richtung Eisstadion. Kurz vor dem Zaun machte er die Tür des Wagens auf, zog mit dem Fuß auf dem matschigen Boden eine tiefe Rinne und hielt nur wenige Zentimeter vor dem Einlass. Bei einem befestigten Weg hätte sich der Eishockeyspieler und Mannschaftsarzt von Einheit Niesky das wohl nicht getraut. Solche und ähnliche Dinge aber hatte der Doktor öfter drauf. Und auch das gehörte zum Kult um Sport, Spiel und Unterhaltung in Niesky.

Bildunterschrift: Martin Jandik im Waldstadion Niesky mit den Spielern der Tornados vom
ELV Niesky: Marcel Linke, Ronny Greb, Sebastian Greulich (von links) –
vorn kniet Sven Becher. Auf dem kleinen Foto rechts ist Heinz Passehr in
bester Laune zu sehen: Der einstige Mannschaftsarzt von Einheit Niesky
liebte den Autorennsport. In einem Melkus RS 1000 war er beim 18.
Internationalen Dresdner Autobahn-Spinne-Rennen 1970 dabei – und kam auf
den dritten Platz. Martin Jandik (immer mit Zigarre) spielte Eishockey
und war 38 Jahre lang Fußballer bei Motor Niesky (kleines Foto, unten
rechts). Fotos: Rolf Ullmann (2); um
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