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Historische Serie Teil 5/9 - Görlitzer schießt Nieskyer zum Sieg gegen Zittau
01.12.12, 11:25 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Mit der Eröffnung des Waldstadions vor 45 Jahren begann in Niesky eine neue Ära des Eissports. Die Einheit erkämpfte sich in der Region und bei den östlichen Nachbarn einen sehr guten Ruf. Dabei halfen vor allem die Ex-Internationalen aus Weißwasser mit. Aber auch immer mehr Nachwuchs aus den eigenen Reihen rückte nach. Am 16. Februar 1967 wurde das Waldstadion eingeweiht – unter dem gleißenden Licht von 32 Jupiterlampen. Einheit Niesky verlor zumindest das Eröffnungsspiel gegen Zittau 2:11. as Lob kam aus höchsten Eishockeykreisen. Sportfreund Lenigk, Sektionsleiter des damals bereits 14-fachen DDR-Meisters Dynamo Weißwasser, sagte am 16. Februar 1967 während der Eröffnung des neuerbauten Waldstadions: „Dieses Eisstadion braucht keinen Vergleich mit den besten Natureisbahnen in unserer Republik zu scheuen. Ja, es ist die beste Anlage. Besonders die Lichtverhältnisse sind ausgezeichnet.“ Die 32 Jupiterlampen an den stählernen Masten mit einer Leistung von insgesamt 24 000 Watt machten diesen denkwürdigen Abend zum Tag. Die Nieskyer hatten sich ihr Eisstadion selbst erbaut und sorgten damit für glänzende Bedingungen für die weitere Entwicklung des Eissports. Besonders schnell merkten das die Görlitzer. Ihr Eisstadion an der Stadthalle verfiel, das Eishockeyteam löste sich auf. „Kamen zuvor die Nieskyer zu uns als Gastspieler,war es ab der Saison 1967/68 genau umgekehrt. Wir waren eine richtig gute Truppe. Besonders dann, als noch die Weißwasseraner Ex-Nationalspieler mit Manne Buder, Bernd Poindl, Heinz Schildau, Heinz Kutschera, Ulli Noack oder Erich Novy als Gastspieler bei Einheit Niesky wirbelten“, schwärmt noch immer Siegfried Töpert. „Besonders bei Begegnungen mit polnischen und tschechischen Spitzenteams ging‘s hoch her. Da stand bei uns sogar Klaus Hirche, die Torwart-Legende aus Weißwasser, im Kasten.“ Der Görlitzer, der von 1968 bis Ende der 70er Jahre in den Nieskyer Reihen stürmte, feiert heute übrigens seinen 65. Geburtstag. Da bleibt am Wochenende allerdings keine Zeit, wieder mal nach Niesky zu kommen. Denn noch heute läuft Siegfried Töpert mit Kind und Kegel Schlittschuh im Waldstadion und freut sich auf die neue Arena. „Wie die Nieskyer um den Neubau gekämpft haben, alle Achtung.“ Mit Ernst Kwiatkowski sorgte ein starker Görlitzer auf dem Nieskyer Eis für Aufsehen. Der inzwischen 68-jährige lernte und arbeitete im Waggonbau und traf dort auf den Dolmetscher und Eishockeytrainer Wenzel Szcorgot aus Zgorzelec. „Ihm verdanke ich viel, er prägte und bildete mich aus, der mein Leben ausfüllte. Während der Armeezeit im damaligen Karl-Marx-Stadt wollte mich sogar der ASK Crimmitschau haben. Aber zehn Jahre Fahne, da machte ich nicht mit. So kehrte Ernstl, wie ihn seine Sportkameraden nannten, nach Görlitz zurück, spielte Eishockey bei der Einheit in Niesky. Das Görlitzer Ausnahmetalent erinnert sich an diese Sternstunden des Nieskyer Eishockeys. „Zweimal gewannen wir die international hochkarätig besetzten Turniere bei Dolmel Wroclaw. Mit den Weißwasseranern zu spielen, war pure Freude. Und nicht nur Buder und Co. schossen die Tore.“ Fast eine Woche dauerte das Turnier, bei bester Gastfreundschaft. Allerdings gab es mal bei der Einreise an der Görlitzer Stadtbrücke richtig Ärger. „Bei der Kontrolle im Bus sang einer von uns das Deutschlandlied, von Einigkeit und Freiheit. Sofort wurde der Sportler von den Grenzern festgenommen, durfte aber nach langem Aufenthalt und Verhören mit uns weiterfahren. Zuhause gab es viel Ärger. Aber wir kamen mit einem blauen Auge davon. So was gab es damals halt auch.“ 1980 siedelte Kwiatkowski in die BRD über. Dort war er Betriebsleiter einer Holzfirma und stand mit Kaufbeuren sogar in der 2. Bundesliga und bei den Alten Herren mit dem berühmten Didi Hegen auf der Eisfläche. Heute lebt Ernst Kwiatkowski mit seiner Frau bei Rostock und organisiert auf dem Teich an seinem Grundstück noch Spaßspiele auf dem Eis. „Und wenn in Niesky das neue Eisstadion eingeweiht wird, da komme ich bestimmt!“ Nach diesen erfolgreichen Jahren trübte sich Anfang der 70er Jahre der Nieskyer Eishockeyhimmel leider wieder ein. Schuld daran waren folgenschwere Entscheidungen durch die Partei- und Sportführung der DDR. Eishockey wurde nicht mehr als „förderwürdig“ eingestuft. Betroffen davon waren vor allem die kleineren Vereine. Betriebe, die Eishockeyausrüstung produzierten, mussten zumachen. Der größte Teil der ersten Nieskyer Eishockeygeneration hängte die Schlittschuhe an den berühmten Nagel. Doch die nächste Generation wuchs schon heran. Dazu wurde im Waldstadion trotz allem Wenn und Aber verstärkt auf die vereinseigene Nachwuchsarbeit gesetzt. Wieder übernahmen „Eissportverrückte“ das Zepter in die Hand. Da durften Erfolge nicht ausbleiben...
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