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Historische Serie Teil 4/9 - Gute Pförtner lesen immer die Zeitung
24.11.12, 14:11 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Mit der Schließung des Eisstadions am Moryteich stand es 1961 um den Nieskyer Eissport nicht gut. Selbst die Eishockey-Mannschaft löste sich auf. Deshalb stand eine Forderung auf der Tagesordnung: Wir brauchen ein neues Eisstadion. Und alle rauften sich wieder zusammen. Die zweite Erfolgsgeschichte begann. Am 16. Februar 1967 wurde das Waldstadion eingeweiht – unter dem gleißenden Licht von 32 Jupiterlampen. Einheit Niesky verlor das Eröffnungsspiel gegen Zittau 2:11.

Viele spürten, wie das 1954 eröffnete Natureisstadion mitten in der Kreisstadt Niesky verfiel. Besonders die wärmeren Jahreszeiten machten der Anlage arg zu schaffen. Der Untergrund im Oval verschlammte und zersetzte sich, die Bande verfaulte – und damit stand die Frage: Wie lange noch? Im Februar 1961 kam das Aus. Übrig blieb nur das hölzerne Funktionsgebäude. Das allerdings wurde zur Kultstätte. Das Nieskyer Urgestein Selma Fleischer und ihr Mann Richard eröffneten dort einen Kiosk. Das Geschäft mit Imbiss und Trinkereien lief. Ware, wie auch später an der Bautzener Straße und im Waldbad, gab es immer. Das Schlimme war, dass sich die Eishockeymannschaft von Einheit Niesky auflöste. Fast alle Spieler wechselten zu anderen Betriebssportgemeinschaften – nach Görlitz, Knappenrode, Lohsa und zum „Erzfeind“ Zittau. Besonders die Jüngeren wollten ihren geliebten Eishockeysport nicht aufgeben. Aber es bot sich eine Alternative. Schließlich war da Christian Kittner, der einstige Mannschaftskapitän. Erika Kittner: „Mein Mann baute ja ab 1958 an den Kodersdorfer Teichen den Betriebsteil der Krebaer Binnenfischerei aus, nachdem man ihn in Dresden als Bezirksfischmeister ablöste. Der Grund war, dass er mit einem Freund auf seiner BK 350 (ein MZ-Motorrad) eine Tour nach Westdeutschland, Italien und die Schweiz unternahm und von dort eine Ansichtskarte an Kollegen in Dresden schickte. Das reichte zum Rausschmiss.“ Bei den Eishockeykollegen schmiss man Christian Kittner nicht raus. Im Gegenteil. „Jeden Sonntagvormittag wurde bei uns Eishockey gespielt. Der Herrenteich wurde dafür im Herbst besonders gründlich abgefischt. Bis 20 Jungs gingen auf dem gepflegten Eis so richtig zur Sache. Unter ihnen auch Polen. Die Eishockeyspieler hatten ja gute Beziehungen nach Luban oder Breslau. Besonders sind Roman Czipak und der Deutsch-Pole Werner Grundmann in Erinnerung. „Die Beiden machten mal in Breslau die Schiedsrichter betrunken – damit wir gewinnen“, sagt Erika Kittner. Und einmal kam mit Ryszard Szurkowski höchste polnische Sportprominenz an die Teiche. Sogar ein blau-weißes Mokkaservice brachte der mit. „Das habe wir heute noch.“ Bei allen sportlichen Notlösungen verlor man nie das große Ziel aus den Augen. Ein Natureisstadion. Und wieder legten sich die Nieskyer ins Zeug. Manfred Junker fuhr mit dem Bürgermeister nach Herrnhut, zum Verwalter der Brüderunität, Herrn van Deyk. Zunächst gab es wenig Bereitschaft, Bauland für das Stadion zu verkaufen. Auch einen Flächentausch lehnte man zunächst ab. Schließlich aber unterstützte die Brüdergemeine das Bauanliegen. Die wichtigste Weiche war gestellt. Sofort begann die Erschließung des Geländes. Und sofort gab es das erste Problem – die Fläche wollte nicht eben und horizontal ausgeglichen werden – bis Schwimmmeister Rudi Kahra die Fläche abspritzte, um zu sehen, wo das Wasser stehen blieb. Das klappte, und die problematischen Stellen wurden dann beseitigt. In nur vier Monaten wurde das Eisstadion erbaut. In unzähligen freiwilligen Stunden schweißten Sportler aus dem Waggonbau die Lichtmasten zusammen. Oder: Die Brüder Klaus und Eberhard Brocke aus Kodersdorf, die den vom Vater 1899 gegründeten Baubetrieb mit Sägewerk weiterführten, bauten nach Feierabend die Bande ein. „Am schwierigsten war es, Holz zu bekommen. Ich glaube, der Rat des Kreises hat dann die fünf Kubikmeter rausgerückt“, sagt heute Klaus Brocke. „Alles, was dort verbaut wurde, gab es über Beziehungen.“ Oder: Ständig verließ die stadteigene „Ameise“ (ein Kleintransporter), die Großbetriebe Richtung Waldbad. Vollbeladen mit Material, vorbei an den Pförtnern. Die haben da immer die Zeitung gelesen.
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