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Historische Serie Teil 2/9 - Warum Weißwasser über Niesky staunte
10.11.12, 13:00 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Mit dem Bau des neuen Stadions am Moryteich entdeckten viele Nieskyer ihre Begeisterung für den Bei Auswärtsspielen – wie am 25. Januar 1956 gegen Eisenhüttenstadt – fuhren die Einheit-Männer meist mit einem 17er-Bus. Treffpunkt war immer vor dem Gericht, gegenüber der Hartmann-Schmiede. Auf diesem Foto warten Eberhard Haupt, Hubert Keßler, Manfred Geide, Klaus Stalive (verdeckt), Heinz Marquardt, Walter Krause (verdeckt), Christian Kittner, Horst Bürgel und Erhard Fiebig. Foto und Repro: U. Martin Eissport. Aber auch die Eishockeymänner von Einheit nahmen schnell Fahrt auf. Ging das erste Spiel noch in die Eishockey-Hosen, folgte bald ein nicht erwarteter Aufschwung. Immer wieder kam es damals schon zu brisanten Duellen mit den Jonsdorfern. Auch heute wird wieder gegen die Südländer gespielt – aber diesmal natürlich im Nieskyer Waldstadion.

Und dann war es soweit. Am 7. Februar 1954 wurde das Eisstadion der „Einheit“ mitten im Zentrum von Niesky mit einer Eissportgala eröffnet. Da konnte der große Eishockeynachbar Weißwasser nur staunen. Selbst der Mannschaftsleiter des TV Gießen 1846, dessen Team gegen Einheit Dresden den Vergleich mit 2:4 verlor, sagte anerkennend 1954: „Ich wundere mich, dass hier der Sport so gefördert wird. Dieses Eisstadion ist eine gute Anlage.“ Hinter der aus zehn Festmetern Nadelschnittholz gefertigten Bande drängten sich damals über 2000 begeisterte Zuschauer. Sie alle warteten vor allem auf das Eiskunstlaufpaar Vera Lampe/Horst Kuhrrüber. Dabei wäre der Auftritt der fünffachen DDR-Meister aus Chemnitz beinahe schief gelaufen. Gegen Mittag erhielt Gustav Rückert, einer der Mitorganisatoren der Eröffnungsfeier, plötzlich einen Anruf. Am anderen Ende der Telefonleitung war Horst Kuhrrüber. „Mit Vera und einer weiteren Eiskunstläuferin sitze ich fest, am Umsteigebahnhof Hosena. Der Zug Richtung Görlitz fährt nicht. Könnt ihr uns hier abholen?“ Rückert sagte sofort zu, obwohl er noch nicht wusste, woher er einen Pkw bekommen sollte. 20 Minuten später rollte der EMWDienstwagen des Waggonbau-Direktors Richtung Hosena. Trotzdem verspätete sich der Auftritt der Paarläufer, keiner der Zuschauer verließ die Arena. Übernachtet haben die Gäste bei Familie Bürgel in der Bautzener Straße. Begeistert waren die Chemnitzer besonders vom Frühstück mit Wurstware der hauseigenen Fleischerei. Das Besondere an diesem Natureisstadion war, dass die Nieskyer eine regelrechte Begeisterung für das Eislaufen entdeckten. Aber auch aus den umliegenden Dörfern setzte ein wahrer Boom ein. Wer irgendwo ein Paar der sogenannten „Schraubendampfer oder Absatzreißer“ (das waren Schlittschuhe, die vorn an der Sohle und hinten am Absatz an normale Straßenschuhe angeschraubt wurden - d.A.) fand, oder sich schon moderne Eislaufstiefel leisten konnte, rauschte über oder fiel auch manchmal auf das Eis. Fräulein Erika Socke, die nur unweit des Moryteiches im Gärtnereigeschäft ihrer Eltern arbeitete (heute „Früchte-Liebig“) und 1958 dem Nieskyer Eishockey- Urgestein Christian Kittner das Ja- Wort gab, erinnert sich: „Mit meiner Freundin Rosemarie Pieczek war ich fast an jedem Wintertag auf dem Eis. Besonders gefiel uns, unter dem Flutlicht zu laufen. Alle guckten, wenn wir losmachten. Rosemarie trainierte ja sogar Eiskunstlauf bei Einheit.“ Zu fast allen Eishockeyspielen, ob zu Hause oder auswärts, waren die jungen Damen dabei. Selbst beim Training, Sonntagvormittag, schauten sie zu. „Wir waren die Maskottchen der Mannschaft, sollten die Glücksbringer der Jungs sein.“ Doch einmal, im Januar 1960, waren die beiden jungen Damen bei einem Spiel in Jonsdorf nicht dabei. Und gleich schlug die „Pechmarie“ bei diesem schon damals brisanten Duell zu. Plötzlich stürzte Christian Kittner. Dem fuhr ein Jonsdorfer Verteidiger kurz vor Spielende von hinten einfach in die Beine. Immer wieder versuchte der geborene Krebaer hoch zu kommen. „Opa steh auf. Soll`n wir Dir helfen?“, johlten heimische Anhänger. Kittner stand nach etlichen Mühen auf – und spielte durch. Als der 26-Jährige in der Kabine die Eislaufstiefel auszog, erschrak nicht nur er: Der Schlittschuh des Gegners durchbohrte nicht nur Kittners Stiefel, sondern auch seine Ferse. Die klappte, stark blutend, einfach runter. Ein Arzt versorgte sofort die Wunde, gipste das Bein bis unters Knie ein. Noch in der Nacht brachten die Kumpels ihren Kapitän nach Hause in Kodersdorf. „Erst am Morgen informierten sie mich. Keiner hatte ja damals privat Telefon. Das war ein Schreck. Auch den Kühlschrank machten sie leer. Nur eine Zitrone war noch drin. Ich war richtig sauer“, erinnert sich Erika Kittner. „Schade, dass ich den Gips nicht mehr habe. Der war von oben bis unten voll beschrieben mit den Autogrammen der Besucher.“ Die Nieskyer Eishockey-Männer bestritten schon eine Woche vor der Stadioneinweihung ihr erstes Spiel. Mit Chemie Weißwasser kam der zweifache DDR-Meister. 400 begeisterte Zuschauer sahen 17 Tore, dafür zwei für die tapferen Gastgeber. In der SZ-Ausgabe Niesky war zu lesen: „Fehlende Technik und Kondition sowie Mangel an vorschriftsmäßigen Eishockey-Schlittschuhen sind die Ursachen für die hohe Niederlage.“ Drei Tage später landeten die Nieskyer den ersten Sieg im neuen Stadion. In einem hartumkämpften Spiel wurde der Cottbuser Bezirksligist Aktivist Knappenrode 4:3 bezwungen. Großen Anteil daran hatten Feldhockeyspieler von Motor Niesky. Übrigens bekamen die Einheit- Männer bald darauf eine neue Ausrüstung. Gespendet vom Rat des Kreises, Träger der Sektion Eishockey bei Einheit. Die Hemden, Hosen oder Stutzen wurden bis in die 80er Jahre hinein, also über drei Jahrzehnte, von Nachwuchsspielern der BSG Einheit getragen. (Ullrich Martin)

Bildunterschrift: Bei Auswärtsspielen – wie am 25. Januar 1956 gegen Eisenhüttenstadt – fuhren die Einheit-Männer meist mit einem 17er-Bus. Treffpunkt war immer
vor dem Gericht, gegenüber der Hartmann-Schmiede. Auf diesem Foto warten Eberhard Haupt, Hubert Keßler, Manfred Geide, Klaus Stalive (verdeckt),
Heinz Marquardt, Walter Krause (verdeckt), Christian Kittner, Horst Bürgel und Erhard Fiebig.
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