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Historische Serie Teil 1/9 - Nieskys Stadionwunder am Moryteich
01.11.12, 09:32 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Am Sonntag ist es soweit. Der erste Gast der Nieskyer Tornados ist der ECC Preußen. Mit dem Hammerspiel in der Oberliga Ost beginnt so richtig die Saison für die Nieskyer Eishockeyfans. Es ist die 16. Saison, auch wenn schon vor 65 Jahren die Jagd nach dem Puck hier begonnen hat. Was in den zwei Jahren vor dem großen Start passiert ist, woher die Liebe zum Eishockeysport in Niesky kommt und wie es heute um die Tornados, das Stadion und die Freude am Sport steht, zeigt diese Serie der Sächsischen Zeitung.

An diesem Sonntag stellen sich die Nieskyer Eishockey-Cracks auf heimischem Eis vor. Und eine Sache hat sich seit der Gründung des Eislaufvereins Niesky vor 18 Jahren nicht verändert. Frühestens Ende Oktober kann wegen der zu-vor noch unsicheren Temperaturen zum Eismachen die Spielbereit-schaft gewährleistet werden. In diesem Jahr ist auch die erste Partie ausgefallen – aber jetzt gilt's. Künftig könnte alles etwas sicherer bei den Startzeiten laufen. Denn das Stadion in seiner jetzigen Form macht nur noch zwei Spielzeiten mit. Denn in der vergangenen Oberliga-Saison errang die Eishockeystadt einen besonderen Sieg: Ab 2014/15 soll auf dem neuen Eis und ein Jahr später unter einem Dach gespielt werden. Damit bekommt der Verein, die Stadt und die gesamte Region einen gewaltigen Schub nach vorn. Den ersten Schub hatte die junge Hockeygeneration aus Niesky und Umgebung vor 68 Jahren. Die Jungs wollten nach Ende des Zweiten Weltkrieges und dessen verheerenden Folgen in Niesky, wieder ein Stück Lebensfreude zurückgewinnen. Die Brüder Eberhard und Hermann Haupt, Horst Bürgel, Joachim Keßler, Werner Holtschke, Erich Maroske, Werner Ambelang, Heinz Marquardt, Heinz Koschany, Karl-Heinz Adam oder Günter Jurke trafen sich zum sportlichen Spiel. Konnte Schwimmen und Feldhockey schon auf lange Traditionen verweisen, nahm aber Eishockey schnell an Popularität zu. Besonders der Moryteich wurde zum Tummelplatz der Kufenflitzer. Als der damalige Bademeister Richard Haupt sogar gestattete, in den kalten Wintern das zugefrorene 50-Meter-Schwimmbecken zum Eishockeyspielen zu nutzen, wurde aus dem Waldbad regelrecht ein „Eishockeyzentrum“. Werner Holtschke, auch auf dem Hockeyfeld unterwegs: „Wir spieltenmanchmal bis kurz vor Mitternacht. Die sowjetische Kommandantur hatte ja nach Einbruch der Dunkelheit ein strenges Ausgangsverbot verhängt, drückte da wohl aber immer ein Auge zu. Das Eis schlingerte manchmal ganz schön, wenn es mal nicht so eisig war. Oft waren wir pitschnass. Ein selbstgebauter Scheinwerfer sorgte anfangs für etwas Licht. Woher die 150 Watt starke Glühbirne kam, habe ich nie rausgekriegt“, sagt der heute 82-jährige Nieskyer. Aus Training und kleinen, manchmal auch lustigen Spielchen untereinander im Waldbad und auf dem Moryteich, wuchsen Ansprüche und Zielstellungen. Mal ein richtiges Spiel, das war der Traum. Erich Maroske nutzte seine guten Beziehungen zu dem schon vor dem Krieg berühmten Nachbarn Weißwasser. Die Männer um Eishockeychef Paul Lenigk waren mit einem offiziellen Spiel sofort einverstanden. So kam es im Februar 1947 auf dem Braunsteich zum Duell zwischen sportlich glänzenden Weißwasseranern und mehr als schlecht und recht ausgestatteten, aber tapfer kämpfenden Nieskyern. Das 0:12 verdauten die Männer um die Haupt-Brüder und Erich Maroske ohne Probleme. Das Wichtigste war: Sie sorgten als „SV Eintracht“ für die Geburtsstunde des Eishockeysports in Niesky. Das Rückspiel 1948, das erneut verloren wurde, konnte leider nicht in Niesky stattfinden. Die dafür geeignete Spielfläche fehlte. So musste man Auswärtsspiele bestreiten, in Bad Muskau, Jonsdorf oder Groß-Düben. Gefahren wurde meist mit einem Lkw „Holzvergaser“. Das notwendige Holz dafür brachte Mannschaftskapitän Christian Kittner mit. Viele Decken und Strohbündel auf der Ladefläche hielten Füße und Beine der Spieler und der mitgereisten Fans einigermaßen warm. Eine schöne Zeit. Doch als ab 1951 in Niesky auch Hallenhockey gespielt wurde, zogen sich einige Leistungsträger vom Eis zurück. Jungs wie Günter Reeb, Gustav Rückert und Manfred Geide rückten nach. „Ein richtig guter Spieler war ich nicht. Eher Durchschnitt. Ich kümmerte mich lieber um die vielen Dinge um die Mannschaft herum“, sagt Gustav Rückert heute. „Da gab es ja schon die ersten Bemühungen um das Stadionprojekt Moryteich.“ Für den gelernten Waggonbauer, Lehrausbilder und Mitarbeiter im Bauamt des Rates des Kreises war deshalb die Gründungsversammlung der Sektion Eissport der BSG Einheit am 12. Oktober 1953 ein weiterer Meilenstein. 23 Sportfreunde wählten als kommissarischen Leiter Günter Reeb. „Ich mache das erst einmal so lange, bis die neue Eissportanlage am Moryteich fertig ist“, sagte der. Fünf Tage später startete die Sektion Eissport der BSG Einheit ihren ersten Arbeitseinsatz. „Aus heutiger Sicht kann man sich solch einen Stadionbau nicht vorstellen. Ein Wunder!“, erinnert sich Gustav Rückert. „Dieses Eisstadion war das erste Bauobjekt in freiwilliger Arbeit zwischen Verwaltungen, Betrieben und Bürgern.“ Alles, das über die Schreibtische ging, wurde schnell, unbürokratisch erledigt. Verhandlungen mit Partnern, Arbeitseinsätze, Finanzen, es funktionierte. Aber nur, weil alle anpackten, jeder um die eigenen Aufgaben wusste, Verantwortung übernahm. Da riefen sogar Handwerker, wie Elektromeister Waldemar Kohler, Gustav Rückert an und fragten: „Braucht ihr Hilfe, Material?“ Ein großes Problem war nämlich damals der verschlammte Teichboden. Wie sollte da Eis gemacht werden? Ganz einfach! Massen von Trümmerschutt, die der Krieg in der Stadt hinterließ, wurden teilweise von Pferdefuhrwerken angekarrt und verfüllt. Eine Herkulesarbeit. Und das an und in einem Teich, der Haushalten und Betrieben als Naturkläranlage diente. In dem Teich gab es keine Fische, höchstens Frösche. Am 7. Februar 1954 wurde das „Stadion der Einheit“ mit einem gesamtdeutschen Eishockeyvergleich zwischen TV Gießen und Einheit Dresden-Süd und Eiskunstlauf der Extraklasse mit den fünffachen DDR-Meistern Vera Lampe/Horst Kuhrrüber eingeweiht. Über 2000 Zuschauer kamen. Für die aber blieb das neue Natureisstadion immer nur ihr Moryteich.
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