Account registrieren
» User Online: 0
» Besucher: 1352847
Was Vereine gegen Fanrandale beim Eishockey tun
30.10.12, 09:43 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Vor gut einer Woche wurden sogenannte Fans nach dem Derby Jonsdorf gegen Niesky handgreiflich – eine Ausnahme? Massenschlägerei nach dem Spiel der Jonsdorfer Falken gegen die Nieskyer Tornados vor gut einer Woche – so stand es in der Sächsischen Zeitung. 20 bis 30 Personen sollen nach dem Penaltysieg der Jonsdorfer über Niesky verwickelt gewesen sein, drei leicht verletzte Personen habe es gegeben. Ein weggenommener Fanschal soll der Auslöser gewesen sein. Aber wie immer in solchen Fällen gibt es auch andere Versionen, je nach Sichtweise. Dem sportinteressierten Eishockey-Zuschauer stellt sich eine Frage: Kann man sich noch ins Stadion getrauen oder bleibt man besser weg, weil man zwischen zwei „Fanfronten“ geraten und womöglich gar mit körperlicher Gewalt konfrontiert werden könnte? Aus Sicht beider Vereine droht, dass das Thema zu sehr aufgebauscht wird. „In der Halle haben wir alles im Griff, es hat schon seit Jahren keine solchen Vorkommnisse in der Sparkassenarena mehr gegeben. Wir engagieren einen Sicherheitsdienst. Die Zuschauer sind bei uns sicher“, sagt Volker Kunze, der 1. Vorsitzende des EHC Jonsdorfer Falken. Ähnliches sagt auch der Nieskyer Präsident Jörn Dünzel. Beide sprechen davon, dass es sich bei den gewaltbereiten Fans um einen ganz kleinen Bruchteil der Anhänger handelt. Dünzel erzählt vom Spiel in Jonsdorf: „Ich war selbst im Stadion – ein tolles Spiel mit einer schönen Stimmung. Es war für mich in keinster Weise zu erkennen, dass an diesem Tag noch irgend etwas passieren könnte. Und es war für uns alle überraschend, als wir am Montag davon in der Zeitung gelesen haben.“ Konsequenzen für die Absicherung der Spiele werden beide Vereine nicht ziehen. Ganz einfach, weil sie schon tun, was möglich ist und weil das Sicherheitskonzept funktioniert. Beide Vereine sagen, dass genügend Sicherheitskräfte vor Ort sind, dass man die Gästefans bei Brisanzspielen nach der Partie sogar zum Bus begleitet, und dass bei solchen Spielen auch die Polizei vor Ort ist. „Offiziell endet unsere Verantwortung an der Halle. Noch mehr können wir nicht tun“, sagt der Jonsdorfer Volker Kunze. „Wir sind natürlich daran interessiert, dass unsere Gäste, egal ob Anhänger des eigenen Vereins oder der Gäste, das Spiel sicher besuchen können und genauso sicher wieder nach Hause kommen“, erklärt Jörn Dünzel. Trotzdem – unter den Hunderten Anhängern gibt es wohl immer einige Wenige, die – zumal angetrunken – über die Stränge schlagen. Dünzel sagt dazu: „Gegenüber diesen Leuten zeigen wir null Toleranz. Das geht hin bis zu Stadionverboten.“ Kunze ergänzt: „Wir können natürlich von unserem Hausrecht Gebrauch machen, solche Leute aus dem Stadion entfernen beziehungsweise später nicht ins Stadion lassen.“ Gleichzeitig spricht er aber ein Problem an: „Wenn schon – Gott sei dank selten genug – etwas passiert, kommt erfahrungsgemäß von der Polizei oder der Staatsanwaltschaft meistens nichts. Es gibt keine Rückmeldung zu uns.“ Ein Beispiel: Am Jonsdorfer Stadion wurden Reifen zerstochen und Spiegel abgetreten. Es gab Zeugen. Aber laut Kunze wurde das Verfahren nach Monaten eingestellt. Auch im konkreten Fall der „Massenschlägerei“ in Jonsdorf, übrigens nahezu eine Stunde nach dem Spiel – dürfte nicht viel passieren. Drei Leichtverletzte, der Diebstahl eines Fanschals im Wert von vielleicht 20 Euro. Viele „Tatbeteiligte“, denen man einzeln nachweisen müsste, wer konkret was gemacht hat. Die Polizei dürfte Wichtigeres zu tun haben. Will man die wenigen schwarzen Schafe unter den Fans aussortieren oder sie zur Vernunft bringen, kann das nur über einen Selbstreinigungsprozess innerhalb der Fangruppen passieren. Schließlich ist dort die große Masse ja gegen jede Gewalt. Christopher Hilbrig (22) ist so etwas wie ein Sprecher der „Blue Boys“, einer Nieskyer Fangruppe, zu der auch einige in die Jonsdorfer Schlägerei involvierte Fans gehören sollen. Er sagt zum Beispiel: „Wir stellen richtige Regeln auf und distanzieren uns ganz klar von körperlicher Gewalt. Wer sich nicht daran hält, wird nicht in unserem Fanblock geduldet.“ Er geht sogar so weit, dass er dem Verein Namen der Leute nennen würde, die immer wieder negativ auffallen. Letztlich, damit der Verein tätig werden kann. Alle Beteiligten, ob von Jonsdorfer oder Nieskyer Seite betonen außerdem, dass nur die Spiele untereinander in gewisser Weise brisant sind. Bei Spielen gegen die anderen Oberligamannschaften gebe es nie Probleme. Da gehe man auch mal gemeinsam ein Bier trinken. Die hitzigere Stimmung der Fans in den Kreisderbys sei einfach in der räumlichen Nähe beider Vereine (wie Schalke und Dortmund in der Fußball-Bundesliga) begründet. Es geht um die Vorherrschaft in der Lausitz – hinter den Lausitzer Füchsen aus Weißwasser natürlich. Ein zweiter Grund liegt in der Geschichte: Aus Jonsdorfer Fansicht kann der ehemalige „David“ Jonsdorf dem alten „Goliath“ Niesky endlich das Wasser reichen. Aus Nieskyer Fansicht spielen unverständlicherweise (ob der Entfernung) viele Weißwasseraner in Jonsdorf, inklusive der Förderlizenzspieler der Füchse. Da müsse einfach mehr Geld im Spiel sein. Bei aller Rivalität der Fans untereinander, die Fans sollten ihren Wettstreit mit Gesängen austragen. „Wir stecken in unsere Choreografie, bei der wir ein Bild erstellen, manchmal zwei, drei Tage. Auch Schmähgesänge sind erlaubt – aber das ist auch die Grenze“, sagt Christopher Hilbrig und fügt augenzwinkernd hinzu: „Und zumindest bei der Stimmung haben wir in Jonsdorf gewonnen."
Kommentare
Um einen Kommentar abgeben zu können, musst du eingeloggt sein.
Regionalliga Ost 2019/2020
(Stand: 01.12.19, 21:09 Uhr)
    Sp. Tore Pkt. Serie

Impressum