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Der letzte DDR-Nationaltorwart pariert nur noch in der Familie
05.11.09, 12:48 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Thomas Bresagk hat seine Karriere beendet - nach Spitzenleistungen bis zum letzten Spiel. Seit Sonnabend jagen die Nieskyer Tornados im heimischen Waldstadion wieder dem Puck hinterher. Einer, der mitverantwortlich für den Aufschwung der Nieskyer in den letzten zehn Jahren war, fehlt aber: Thomas Bresagk. Diese Eishockey-Saison ist die erste seit mehr als drei Jahrzehnten, in der "Breto" nicht mehr aktiv dabei ist und das Tor sauber hält. "Es ist ein Schritt, auf den ich mich lange vorbereitet habe", sagt der 43-Jährige. "Aber jetzt, da es wirklich so weit ist, ist es doch ein komisches Gefühl." Immer öfter spürte Thomas Bresagk in den vergangenen Jahren, dass sein Körper genug hat. "Ich fühle mich wirklich jünger als ich bin, aber nach 60 Minuten im Tor wollte ich in letzter Zeit nur noch auf meine Couch", sagt er lachend.

Noch zweimal DDR-Meister

Dass er nachgelassen hätte, muss sich Thomas Bresagk nicht vorwerfen lassen. Mit den Nieskyer Tornados, bei denen er in den letzten neun Jahren spielte, war er bis zuletzt ein starker Rückhalt. "Mir ist es lieber, mit einer guten Leistung aufzuhören, als vielleicht in der Zeitung lesen zu müssen, dass der Alte im Tor ein paar Gurken reingelassen hat", sagt Bresagk, der eigentlich schon mit 40 Jahren den Schläger beiseite legen wollte. "Ich wollte den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen aufzuhören."

Der Weißwasseraner spielt Eishockey, seit er in der zweiten Klasse war. Zwei, drei Jahre als Verteidiger, dann als Torwart. "Irgendwann ist bei uns der Torhüter weggegangen, und der Trainer hat uns alle fürs Tor ausprobiert", erinnert sich Thomas Bresagk und grinst, "ich blieb eben." Er habe gleich gemerkt, dass es im Tor gut klappte. Was folgte, ist eine seltene Karriere im Eishockeysport. Bresagk wird Eishockeyprofi bei der SG Dynamo Weißwasser, wird 1988 vor 12 500 Zuschauern in Weißwasser DDR-Meister, nimmt an mehreren Weltmeisterschaften teil, schafft später den Sprung in die Bundesliga. Im Wendejahr gelingt es Weißwasser, letzter DDR-Meister zu werden. Thomas Bresagk macht sich in all den Jahren einen Namen in der Branche, gehört zu den besten Torwarten. "Am Torhüter hängt’s immer. Entweder bist du der Held oder der Arsch."

Außer Eishockey gibt es wenig für ihn im Leben. Selbst die Berufswahl trifft er nur halbherzig. "Es war mir egal. Ich wusste ja, dass ich Eishockey spielen will." Er macht sein Abitur, wird Maschinist und beendet 1985 seine Lehre im Kraftwerk Boxberg. Gearbeitet hat er in diesem Beruf nie. Bis 1999 verdient er als Eishockeyprofi in Weißwasser sein Geld, danach noch ein Jahr bei den Dresdner Eislöwen. Mit 34 Jahren beendet er seine Profikarriere, merkt aber, dass er ohne den Sport nicht sein kann.

Für die Spiele auch geschwänzt


Im Jahr 2000 wechselt Bresagk deshalb zu den Nieskyer Tornados. Trotzdem: Er muss sich nun umschauen, wie er seine Brötchen verdient. Die erste Station ist ein Möbelhaus in Niesky. 2002 beginnt er nebenbei noch ein Studium zum Betriebswirt an der Ingenieurschule Weißwasser. Aber der Eishockeysport lässt ihn die ganze Zeit nicht los. "Wenn wir ein Auswärtsspiel hatten, habe ich eben mal die Sonnabendsvorlesungen geschwänzt", verrät Thomas Bresagk. Es bekommt ihm gut, 2006 schließt er das Studium erfolgreich ab. Die kleine Firma, die er inzwischen gemeinsam mit Freund und Kollegen Frank Schnabel gegründet hat, ist da schon zwei Jahre alt. "Anfangs sind wir ganz schön Klinken putzen gegangen." Ein großes Küchenstudio mit Filialen in ganz Deutschland heuert die beiden Männer für Aufträge in Westdeutschland an.

Erst im November 2007 wird es ruhiger. Mit dem Möbelunternehmen "Starkes Küche Aktiv" haben Thomas Bresagk und Frank Schnabel inzwischen einen zuverlässigen Partner in der Region gefunden. "Wir sind trotzdem noch viel unterwegs, acht Stunden Arbeitszeit am Tag sind eine Seltenheit." Seine Familie - Ehefrau, Sohn (25) und Tochter (11) - akzeptieren es, dass er nicht oft zu Hause ist. "Sie kennen es nicht anders." Doch jetzt, da er den Torwartschläger endgültig im Schrank verstaut hat, könnte es tatsächlich ruhiger werden. "Ich freue mich darauf, bei den Spielen auf der anderen Seite der Bande zu stehen. Am liebsten gemeinsam mit Freunden und einem leckeren Glühwein in der Hand."
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