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Hässliche Fouls überschatten Preussen-Sieg
17.10.09, 15:20 Uhr (Quelle: Radio Eiskalt)
Der ECC gewann sicher 7:4 (2:0, 2:1, 3:3) gegen Niesky, aber die Strafzeitenflut und einige üble Szenen stellten die Freundschaft mit den Sachsen auf die Probe. Zwei neue Spieler der Berliner mussten früh duschen gehen. Die Trikot-Nummer 8 hat der ECC Preussen Berlin für seinen wöchentlichen Überraschungsgast reserviert. War es gegen Timmendorf ein Gitterspieler namens Marco Rentzsch, der die Reihen der Roten verstärkte, so stand gegen Niesky ein bisher unbekannter Lette auf dem Eis. Aleksandrs Fadejews ist sein Name: Stürmer, Rechtsschütze, 20 Jahre alt und seit einiger Zeit im Mannschaftstraining. Nummer 8, wie gesagt. Fadejews bekam seinen Premierenauftritt, allerdings einen unrühmlichen mit sage und schreibe 5 + 10 + 20 Strafminuten in einem Drittel. Die zweite Überraschung in der Aufstellung war, dass der 18-jährige Verteidiger Max Janke im ersten Block ein Pärchen mit dem Alt-Internationalen Jochen Molling bilden durfte. Der Neuzugang hat sich offenbar schnell durchgebissen, aber er hatte seine Nerven nicht im Griff und musste auch vorzeitig unter die Dusche.

Die Tornados ließen aufhorchen mit einem Sieg in Erfurt und immerhin vier Toren in Halle. Sie wirkten im Wedding wie immer kompakt, eingespielt und kampfstark. Mit Mojmir Musil haben sie einen zweiten Tschechen neben Jankovych aufzubieten, und der 35-Jährige machte dem ECC auch ordentlich zu schaffen. Das Tor hütete Robert Wolfermann, der den Vorzug gegenüber Yvonne Schröder bekam. Er sah bei den ersten beiden Treffern ein wenig unglücklich aus, ohne sie zu verschulden. Das 1:0 war eine Granate von Schertz, die in Schulterhöhe einschlug. Beim 2:0 von Watzke war Wolfermann die Sicht total versperrt, sonst hätte er den flachen Schlagschuss sicher abgewehrt. Das Spiel war im ersten Drittel wechselhaft aber unattraktiv, da durch viele Fouls und Strafzeiten zerhackt. Beim ECC gefiel anfangs nur das Duo Schertz/Hurbanek und ihr selbstbewusster Mitspieler Rick Giermann. Eine dritte Angriffsreihe, die diesen Namen verdient, sucht man noch vergebens.

Nun zur Nummer 8. Der Lette Fadejews rutschte in die zweite Reihe mit Reuter und Leciejewski, das sah auch ganz gut aus. In der 6. Minute deutete er mit einem scharfen Rückhandpass vors Tor sein Können an. Doch kurz darauf kassierte er wegen Meckerns 10 Minuten Disziplinarstrafe. Diese Abkühlung tat ihm nicht gut. Die Uhr zeigte 19:48 Minuten, als Fadejews völlig übermotiviert auf einen Tornado-Stürmer an der Bande losging und ihn heftig gegen Kopf und Nacken checkte. 12 Sekunden vor der Sirene, keine Torgefahr, einfach nur fehlgeleitete Aggressivität. Und tschüss. Schiedsrichter Winnekens entschied hier - wie bei allen großen Strafen, die noch folgen sollten - richtig.

Das zweite Drittel begann demzufolge mit einer langen Unterzahl für den ECC. Niesky konnte auf 2:1 verkürzen, als Kapitän Leyva einen Schlagschuss von Greulich planmäßig abfälschte. Danach drückten die Tornados auf den Ausgleich, aber auch Leciejewski, Reuter und Schertz hatten gute Chancen, wobei Wolfermann eine Riesenparade gegen den gut aufgelegten Oldie mit der Nummer 25 zeigte. Bis zur 30. Minute war es nun ein temporeiches und sauberes Spiel, das die Qualität beider Teams andeutete. Auch die Fans hüben und drüben gaben ihr Bestes. Nur die Linienrichter mit ihren rätselhaften Icing-Pfiffen störten dabei, sie animierten die Trainer des ECC zu theatralischen Protestgesten. Dann aber ging alles kaputt, und die Strafbänke wurden nicht mehr kalt. Niesky fühlte sich benachteiligt. Nun ja, eine lange Geschichte mit Vergehen auf beiden Seiten. Zumindest steht fest, dass Auslöser der Fehde eine dumme, überflüssige Aktion von ECC-Stürmer Rick Giermann war.

Wolfermann hielt den Puck schon fest, als Preussens wilde 13 vor ihm scharf abbremste und provokant etwas Eis auf die Maske spritzte. Da kein Verteidiger in der Nähe war, der den Berliner zur Ordnung rufen konnte, musste Wolfermann selbst daran erinnern, dass Torhüter kein Freiwild sind. Er fuhr drohend seine Kelle Richtung Giermann aus, allerdings auf dem Eis und nicht direkt zum Körper. Dafür bekam Wolfermann sehr harte 2 + 2 + 10 Minuten für "versuchten Stockstich". Hier hätte auch Giermann eine Strafe wegen unsportlichem Verhalten bekommen müssen. Darüber waren die Gäste zu Recht erbittert. Das erlaubte aber nicht die folgenden Jagdszenen. Zunächst versuchte Leyva, Rache zu üben, indem er Giermann mit einem zornigen Bodycheck aus vollem Lauf stellte. Dann übernahm Sebastian Greulich und fuhr Giermann an der Bande zusammen - dafür gab es nur eine lächerliche kleine Bankstrafe. Genießt der 'Spieler des Jahres' der Liga etwa einen Härte-Bonus? Giermann wurde für den Rest des Drittels von seinen Trainern vorsorglich aus dem Spiel genommen, für ihn rückte Jan Schmidt zeitweise in die erste Sturmreihe.

Die aus Wolfermanns Strafe entstehende doppelte Überzahl nutzte der ECC dazu, das Spiel an sich zu reißen. Max Janke traf mit einem schönen Schuss aus der Halbdistanz zum 3:1, bevor er sich in der 35. Minute angesichts der aufgeheizten Atmosphäre zu einem üblen Stockstich hinreißen ließ, der zu Recht mit einem Platzverweis bestraft wurde. Für das beruhigende vierte Tor sorgte Philip Reuter, der bei 4 gegen 4 einen im Niemandsland trudelnden Puck erspurtete (dabei doppelt so schnell wie der Verteidiger war) und den Keeper elegant ausspielte. Nun schien wieder Eishockey angesagt zu sein. Doch im Schlussdrittel gab es nochmals einige grobe Fouls, die geeignet waren, die Freundschaft zwischen den Klubs auf die Probe zu stellen. Nieskys Stürmer Wahne bekam für eine Attacke auf Tittus die dritte 'rote Karte' des Abends. Auf der anderen Seite blieb ein Stockstich gegen Wimmer ohne Strafe. Der ECC schraubte seine Führung bald auf 6:1, wobei Giermann die Genugtuung hatte, in doppelter Überzahl ein perfektes Powerplay zu vollenden. Der zweite Block konnte sich bei 5 gegen 3 durch Schmidt ebenfalls verewigen. Niesky gestaltete das Ergebnis noch freundlicher, aber der erste Berliner Sieg in der neuen Regionalliga-Saison geriet nicht mehr in Gefahr.

Beim siebten Tor des ECC zeigte Jan Schertz ein super Auge und Maßarbeit als Passgeber für den freistehenden Kapitän Kay Hurbanek. Die Stärke des ECC, der an die dominanten Heimvorstellungen der Play-Offs anknüpfte, war die breite Phalanx der bekannten Leistungsträger, was sieben verschiedene Torschützen unterstreichen. Im Kasten spielte Björn Leonhardt wieder mal zwischen Genie und Wahnsinn, mit Neigung zum Fliegen und Tanzen, aber desgleichen mit spektakulären Paraden vor allem am Ende des Spiels, die nicht nur gut aussahen, sondern auch wirklich gut waren.

Tore:
1:0 (6:20) Schertz (Hurbanek, Giermann) 5-4
2:0 (12:45) Watzke (Reuter, Schmidt) 5-4
2:1 (23:20) Leyva (Greulich, Schwarz) 4-5
3:1 (32:24) Janke (Hurbanek, Schertz) 5-3
4:1 (35:26) Reuter 4-4
5:1 (44:08) Giermann (Hurbanek, Mix) 5-3
6:1 (46:33) Schmidt (Reuter, Watzke) 5-3
6:2 (49:30) Greulich (Schwarz, Leyva) 4-5
6:3 (51:10) Musil (Noack, Jankovych)
7:3 (52:54) Hurbanek (Schertz, Giermann)
7:4 (58:40) Musil (Becher, Noack)

Schiedsrichter: Winnekens - Schewe, Meißner
Strafminuten: ECC 16 + 10 gegen Fadejews (Reklamieren) + jeweils 5 + 20 gegen Fadejews (Check gegen Kopf oder Nackenbereich) und Janke (Stockstich) - Niesky 30 + 10 gegen Wolfermann (versuchter Stockstich) + 10 gegen Becher (Reklamieren) + 5 + 20 gegen Wahne (Bandencheck)
Zuschauer: 442
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Fr, 16. Oktober 2009 1 2 3   Erg.
ECC Preussen Juniors 2 2 3   7
Tornado Niesky 0 1 3   4

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