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Kein Bock auf Verzahnung mit der Regionalliga Nord
23.08.17, 16:56 Uhr
Klare Worte zur gescheiterten Verzahnung und dem neuen Pokalwettbewerb des NEV präsentieren wir Euch heute...

Noch vor wenigen Wochen geisterte sie als hoffentlich wahr werdender Traum durch die Köpfe vieler Eishockeyfans der 4. Spielklasse - die geplante Verzahnung der Regionalligen Nord und Ost für die neue Saison 2017/2018. Nach zwei Jahren des Stillstands und allenfalls schmalen Lippenbekenntnissen der Verantwortlichen zu dem Thema, sollte es nun endlich soweit sein. Auch der ELV Niesky sah den Zeitpunkt als richtig gekommen. Hatte man in den vergangenen zwei Spielzeiten doch deutlich gespürt, wie unattraktiv der Ligamodus im Osten war. Die Regie des Sächsischen Eissportverbandes (SEV) kannte immer nur einfache Hauptrundenspiele ohne Meisterrunde oder Playoffs. Hinzu kamen völlig verquere Ansetzungen, die dazu führten, dass nie Spannung in der Tabelle aufkam. So hatten einige Teams zwischenzeitlich bis zu fünf Spiele mehr als andere absolviert oder der "straffe" Spielplan sorgte für abrupte Spielpausen von bis zu drei Wochen.

Trotz sehr guter Vorschläge des Adendorfer EC in persona von Vereinschef Finn Sonntag und dem exemplarischen Wirken der Verantwortlichen des Niedersächsischen Eissport-Verbandes (NEV) - Jochen Schierbaum (Präsident) und Götz Neumann (Fachspartenleiter Eishockey Sen.), scheiterten die Verhandlungen zur geplanten Verzahnung krachend. Genauer gesagt ließen der SEV und der überwiegende Teil der betroffenen Ostvereine den Eishockeynorden regelrecht im Stich.

Wir sprachen im August mit dem engagierten und vorbildhaften Ligenleiter Götz Neumann (NEV) über das Scheitern und waren entsetzt über das Desinteresse und die Haltung des SEV. Eine zielführende Kommunikation mit dem Norden war praktisch nicht gewollt - so unser Eindruck.

Götz Neumann zeigte sich sehr enttäuscht. "Ich bin fast schon ein wenig sprachlos, wie das hier gelaufen ist. Zunächst einmal möchte ich klarstellen, dass der Norden sehr starkes Interesse an der Verzahnung mit dem Osten hatte und für zukünftige Jahre weiter hat. Unsere 6 Regionalligisten waren alle bereit und gewillt. Auch die Bereitschaft zwei Spiele am Wochenende auszutragen, bestand in unserer Liga übereinstimmend. Die Zusammenarbeit mit unseren Mannschaften verläuft unkompliziert und tadellos. In wichtigen Fragen reicht oft ein Zeitkorridor von nur vier Stunden um alle Vereine bzw. ihre Verantwortlichen an die Strippe zu bekommen. Dass das für den SEV-Bereich nicht gilt, mussten wir schmerzlich erfahren."

Bereits am 3. Juni trafen sich die Bosse der beiden Verbände in Berlin zu Gesprächen. Für den SEV waren Lutz Michel (Präsident), Pit Seifert (Ligenleiter Ost) und Andrea Michel (Eishockeyverantwortliche) vor Ort. Auch der Geschäftsführer der Eisbären Juniors Berlin Marc Dannbeck nahm in anderer Sache daran teil. Bis Ende Mai hatte es bereits staffelintern erste Ansprachen an die Vereine zum Thema Verzahnung gegeben.

"Wir sind sehr optimistisch in die Gespräche gegangen und hatten auch bereits zwei Vorschläge im Gepäck, wie eine Verzahnung der jeweils besten 4 oder notfalls auch nur jeweils besten 3 Clubs ab Anfang Februar 2018 aussehen könnte. Zudem empfahlen wir einfach rückwärts zu rechnen, wann die Hauptrunden der beiden Landesverbände beendet sein müssten, um genug Zeit für eine attraktive Endrunde zur Ermittlung des Nord/Ost-Meisters einzuplanen. Wichtig war uns auch eine gemeinsame Tagung mit allen beteiligten Vereinen. Dazu haben wir zwei Sonnabende als Wahlmöglichkeit vorgeschlagen, an denen alle Nordvereine gekonnt hätten. Zunächst zeigte sich der SEV auch interessiert in der Sache. Nach einer kurzen Pause war dies jedoch schon wieder Makulatur. Pit Seifert fing mich im Flur ab und teilte mir mit, dass unsere Ideen überhaupt nicht umsetzbar wären. Die Regionalliga Ost habe schließlich einen "knallharten" Zeitplan, bei dem frühestens Anfang März 2018 mit dem Ende der Hauptrunde (24 Spieltage) zu rechnen sei. (Anm.: Das sind 24 - 25 Wochenenden!!) Damit seien die Ostvereine bereits sehr gut ausgereizt und zusätzliche Spiele im Prinzip ausgeschlossen. Ich muss sagen, spätestens da habe ich gewusst, den Termin und die investierte Zeit hätten wir uns getrost sparen können.", so Götz Neumann.

Vereinbart wurde abschließend ein eigener Vorschlag durch den SEV innerhalb einer Wochenfrist. Doch auch nach Ablauf dieser Zeit passierte nichts. Zum Monatswechsel Juni / Juli und nach einigen gescheiterten Kontaktaufnahmen durch den NEV, bemühte sich SEV-Präsident Lutz Michel dann doch einmal den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und rief seinen Amtskollegen Schierbaum aus dem Norden an. Der Vorschlag des SEV einen Modus jetzt kurz und knapp ohne Beteiligung der Vereine telefonisch zu entscheiden, schmeckte NEV-Präsident Schierbaum nachvollziehbar nicht wirklich. Er verwies zudem auf die Mitsprache seines Ligenleiters in der Angelegenheit. Götz Neumann sprach sich am Telefon wiederholt für eine gemeinsame Tagung aller Regionalligisten aus. Dies wurde durch den SEV ohne Begründung kategorisch abgelehnt.

Götz Neumann war uns gegenüber fassungslos: "Wir sind doch nicht unser selbst wegen in dieses Amt gewählt worden. Wir sind Dienstleister für die Vereine und sollten uns für deren Interessen und die ihrer Fans einsetzen. Ein Amt in dieser Form zu begleiten und alles abzuschmettern - das kann es doch nicht sein. Die Attraktivität der Liga zu erhöhen ist unabdingbar wichtig um gerade auch für Vereinssponsoren und Förderer des Eissports interessant zu bleiben."

Bis Ende Juli schließlich versprach der SEV nun plötzlich 3!! eigene Vorschläge den Ostvereinen zur Abstimmung vorzulegen und den gewählten Vorschlag dem NEV noch im gleichen Monat zu präsentieren. Nachdem auch dies, wie zu erwarten nicht passierte, startete der Niedersächsische Eissport-Verband am 2. August zu einer Konferenz des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), bei der alle Landesverbände geladen waren, einen letzten Versuch. So wurde SEV-Präsident Michel in der bayerischen Landeshauptstadt wieder mit der Frage nach der Abstimmung und dem "gewählten" Vorschlag konfrontiert und konnte erneut nicht liefern. Dies sei Sache des Ligenleiters Pit Seifert und er könne nichts zu der Entscheidung des Ostens sagen.

Dem Gerücht in sozialen Netzwerken, es hätte dem Norden ein Vorschlag zur Abstimmung vorgelegen, den dieser nicht akzeptierte, trat Götz Neumann entgegen. "Bis heute liegt mir persönlich kein Vorschlag aus dem Osten vor. Darum haben wir die Sache jetzt auch abgeblasen."

Aus unserer Sicht zumindest indirekte Rückendeckung erhielt der Sächsische Eissportverband von der überwiegenden Zahl der involvierten Ostvereine. Dies soll auch unser zugegebenermaßen leicht provokantes Titelbild verdeutlichen. Statt selbst in der Sache aktiv zu werden oder sich von vornherein offiziell dagegen auszusprechen, überließ man dem SEV das Entscheidungszepter und hüllte den "Mantel des Schweigens" über die eigene Position. Nur die Bad Muskau Bombers und Tornado Niesky äußerten sich öffentlich positiv und interessiert zu der Verzahnung.

Dass in dieser Saison im Osten Playoffs mit 4 Mannschaften stattfinden sollen, ist indes kein Trost. Im Übrigen sollte sich die Liga der Sache nicht zu sicher sein. Bereits in der vorletzten Spielzeit waren Playoffs nach Abschluss der Hauptrunde angekündigt. Am Ende blieb nach Absagen nur eine magere Finalpartie übrig. Von daher warten wir es erstmal ab... ;-)

Dem NEV sei Dank wird es aber trotzdem ein paar neue und interessante Begegnungen in dieser Saison für unsere Tornados geben.

"Als Notlösung haben wir kurzfristig den Norddeutschen Eishockeypokal ins Leben gerufen, den wir komplett in Eigenregie durchführen. Hier konnten sich bis 17. August Vereine aus dem Westen, Norden und Osten bewerben. 12 Clubs von der 4. bis zur 7. Spielklasse konnten wir dafür gewinnen. Gespielt wird in vier Vorrundengruppen mit jeweils 3 Teams (Modus Jeder gegen Jeden mit Hin- und Rückspiel.) Danach treffen die 4 Zweitplatzierten im Ko.-Modus auf die 4 Gruppensieger (Viertelfinale), anschließend Halbfinale und Finale. Eventuell starten wir nach der Vorrunde auch gleich mit dem Halbfinale. Da bin ich flexibel. Die Vereine können das bis Oktober 2017 selbst entscheiden. Die Spieltermine legen wir aber gemeinsam fest.", sagt Götz Neumann erleichtert.

Die finale und verbindliche Gruppeneinteilung: (nach geographischen Gesichtspunkten und zu erwartender Spielstärke)

Gruppe A: FASS Berlin (4.), Tornado Niesky (4.), Adendorfer EC (4.)

Gruppe B: Weserstars Bremen (4.), EG Diez-Limburg (4.), EC Nordhorn (4.)

Gruppe C: Altonaer SV (6.), Malchower Wölfe (7.), TuS Harsefeld Tigers (5.)

Gruppe D: Hamburger SV (4.), EHC Berlin Blues (4.), ECW Sande Jadehaie (5.)
       


Bildquelle: Trikotmotiv 7x "Schläger mit Puck" designed by freepik.com
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Regionalliga Ost 2018/2019
(Stand: 11.11.18, 21:16 Uhr)
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