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Eine Liga, zwei Welten
29.12.15, 18:26 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Die Nieskyer Tornados dominieren das Derby gegen die Black Panther aus Jonsdorf, die dennoch viel Respekt ernten.
Nein, diese beiden Mannschaften gehören nicht in eine Liga. Das in vergangenen Jahren hochbrisante und meist auch ausgesprochen spannende Regionalliga-Derby zwischen den Nieskyer Tornados und Jonsdorf endete am lauen zweiten Weihnachtsfeiertag mit 11:2 für die Gastgeber. Gästetrainer Jan Havlik sagte nach dem Spiel: „Wir haben das so erwartet, zumal wir vier verletzte Spieler nicht einsetzen konnten und deshalb nur zwei Verteidigungsreihen aufbieten konnten. Mit den Tornados, die die Liga ja nicht umsonst dominieren, können wir nicht konkurrieren. Zufrieden mit der Leistung meiner Mannschaft bin ich aber trotzdem nicht.“
Das war auf Seiten der Nieskyer (natürlich) ganz anders. Die Tornados, die auf Pohling, Noack und Bauer verzichten mussten, hatten sich diese Ansetzung extra für Weihnachten gewünscht, in der Hoffnung auf eine große Zuschauerkulisse. Und sie wurden nicht enttäuscht. Über 1 000 Zuschauer fanden den Weg zum letzten Jonsdorf-Derby unter freiem Himmel, auch wenn die meisten ahnten, dass es ein einseitiges Spiel werden würde. So kam es dann auch. Die Nieskyer bestürmten das Gästetor, trafen den Pfosten, erzielten ein aberkanntes Tor (wegen Torraumabseits), bevor Verteidiger Philipp Rädecker in der neunten Minute mit einem Schlenzer aus dem Handgelenk den Bann brach. Gut drei Minuten später war das Spiel entschieden. Sebastian Greulich mit viel Übersicht und Chris Neumann am Ende einer schönen Kombination hatten auf 3:0 erhöht. Die Jonsdorfer, aus den früheren Falken sind schwarze Panther geworden, zeigten im ersten Abschnitt ihre Gefährlichkeit nicht. Zu groß war der läuferische und spielerische Abstand der neuformierten Mannschaft zu den oberligaerfahrenen Tornados. Besonders deutlich wurde das in einer Nieskyer Unterzahl, die man kaum bemerkte und bei der zum Beispiel Andreas Brill mit schnellen Wendungen den Puck allein im gegnerischen Drittel für rund 15 Sekunden verteidigte.
Die Gäste wechselten nach dem ersten Abschnitt ihren Torwart. Für Ferry Kohl hütete Christoph Weiß das Tor. Aber besser wurde es nicht. Der zweite Spielabschnitt war eine einzige Vorführung der Nieskyer. Sie kombinierten sich durch die Abwehrreihen der überforderten Gäste, die Tore wurden herausgespielt und fielen wie reife Früchte. Christian Rösler, Stephan Kuhlee (2), Robert Bartlick und Mojmir Musil erhöhten auf 9:0, wobei noch etliche Chancen liegengelassen wurden. Auf der anderen Seite waren die Jonsdorfer bei einem Lattentreffer dem Ehrentor nahe. Überschattet wurde das Drittel durch eine Verletzung von Tornado-Kapitän Sven Becher, der nach einem (nicht geahndeten) Kniecheck auf dem Eis liegenblieb, und mit einem heftigen Pferdekuss nicht nur nicht mehr eingreifen konnte, sondern sich auch am späten Abend kaum noch bewegen konnte. Ein mehrwöchiger Ausfall droht.
Vor dem Schlussdrittel stellten sich eigentlich nur zwei Fragen: Wer schießt das zehnte Tornado-Tor, das traditionell einen Kasten Bier kostet? Und gelingt es Torwart Robert Handrick, seinen Kasten sauber zu halten? Die erste Frage war schnell beantwortet. Nach 22 Sekunden legte Mojmir Musil dem ehemaligen Jonsdorfer Falken-Kapitän Christian Rösler so gut auf, dass der gar nicht mehr anders konnte, als zum 10:0 einzuschieben. Als Rösler drei Minuten später auch das 11:0 erzielte, ahnte niemand, dass das schon der letzte Tornado-Treffer an diesem Tag gewesen sein sollte. „Die Konzentration war weg, auch die Konsequenz im eigenen Abwehrspiel. Aber das ist auch verständlich“, erklärte Tornado-Trainer Jens Schwabe. Und so kamen die nimmermüden Jonsdorfer, die für ihre Moral allen Respekt verdienten, zu sogar zwei Ehrentreffern, beantworteten die zweite Frage zu Ungunsten des Tornado-Torwarts. Beim ersten Gegentreffer parierte Handrick noch den ersten Schuss, aber die Tornados vergaßen, Michal Pesek auszublocken, der im Nachschuss traf. Handrick war der Ärger darüber anzusehen. Und kurz vor Schluss gewannen die Jonsdorfer in Überzahl einen Bully, Max Rentsch schoss sofort Richtung Tor, Nico Bartsch fälschte die Scheibe unhaltbar ab. An sich war das aber bedeutungslos. Die Nieskyer Fans feierten ihre Mannschaft und forderten die traditionelle „Raupe“.

Der Respekt der Nieskyer Verantwortlichen für das neue Jonsdorfer Team war auch nach dieser einseitigen Partie vorhanden. Trainer Jens Schwabe sagte: „Ich finde den Weg der Jonsdorfer, mit den eigenen Leuten und kleinen Schritten wieder anzufangen, richtig. Und ich bin überzeugt davon, dass sich diese Mannschaft verbessern kann, wenn alle mit Eifer beim Training dabei sind. Wenn dann noch zwei, drei gestande Spieler dazukommen, können die Panther in der Regionalliga eine viel bessere Rolle spielen als jetzt.“ Präsident Jörn Dünzel ergänzte: „Schön, dass es dieses Derby wieder gibt. Die Zuschauer honorieren das.“

Dieses Spiel war (höchstwahrscheinlich) eines der letzten unter freiem Himmel in Niesky. Wenn das Wetter mitspielt, soll bereits im Februar mit den Bauarbeiten begonnen werden. Zuvor gibt es allerdings noch ein paar Heimspiele. Das nächste: Am 2. Januar spielen die Nieskyer gegen Bad Muskau das letzte Kreisderby unter freiem Himmel.
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Sa, 26. Dezember 2015 1 2 3   Erg.
Tornado Niesky 3 6 2   11
ESC Black Panther Jonsdorf 0 0 2   2

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