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Das Ziel kann nur Regionalliga-Meister heißen
29.10.15, 10:51 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Nach der Umstrukturierung der Eishockey-Oberligen und ihrem Verzicht sind die Nieskyer Tornados eine Liga tiefer klarer Favorit.

(Von Frank Thümmler)

Wenn Tornado-Trainer Jens Schwabe sagt: „Das wird eine schwierige Saison für uns.“, meint er es ganz anders als viele Trainer am Beginn einer Spielserie. Er macht sich keine Sorgen darüber, dass seine Mannschaft den Aufgaben nicht gewachsen sein könnte, die Gegner vielleicht zu stark sein könnten. Eher ist das Gegenteil der Fall. Die Tornados haben als Vierter der Oberliga Ost und Teilnehmer der Meisterrunde in der vergangenen Saison bewiesen, dass sie auch eine Klasse höher eine gute Rolle spielen, an guten Tagen auch Spitzenteams der Liga bezwingen können.

Jetzt aber spielen sie – unfreiwillig – eine Liga tiefer, mit einem im Wesentlichen unveränderten Kader und nicht reduziertem Training. Wie groß die sportliche Herausforderung sein wird, bleibt abzuwarten. Die Konzentration und Motivation hochzuhalten. Das wird schwierig – und genau das meint Trainer „Theo“ Schwabe mit seiner Aussage.

Oberliga-Rückzug war richtig

Der 43-Jährige selbst schielt immer noch ein wenig in Richtung Oberliga. „Mich interessiert, wie sich die Mannschaften aus unserer alten Oberliga schlagen, vor allem die Teams auf unserer Augenhöhe“, erklärt er. Die Nieskyer Verantwortlichen hatten sich nach der vergangenen Saison als einziger Verein aus der Oberliga Ost entschieden, nicht den Schritt in die neuen Oberligen zu gehen. Zwei Gründe waren ausschlaggebend: Es stehen 17, zum Teil sehr weite Auswärtsfahrten an – im Extremfall bis nach Holland. Die Kosten dadurch und durch andere Faktoren wie Verbandsabgaben steigen enorm, zu viel für den ELV Niesky. Und es gibt einen strengen Freitag/Sonntag Spielrhythmus – für Amateure, die einer geregelten Arbeit nachgehen, ist der kaum durchzuhalten. Inzwischen sind die ersten Wochen in den neuen Oberligen gespielt. Schwabe sagt: „Wir haben uns richtig entschieden.“

Es gibt eine klare Zweiteilung der Liga. Siege von Mannschaften der unteren Hälfte gegen welche der oberen Hälfte sind absolute Ausnahmen. In die obere Hälfte gehören aus dem Osten nur Leipzig und Halle, die auch schon in den vergangenen Jahren unter Profibedingungen gespielt und in ihrer Liga dominiert hatten. Alle anderen Teams haben kaum eine Chance. Fass Berlin hat erst einen Punkt aus zehn Spielen geholt und zuletzt vor gerade einmal 101 Zuschauern zu Hause gespielt. Aufsteiger Preussen Berlin kommt auf sechs Punkte, hat einen Zuschauerschnitt von 250, Tendenz sinkend. Selbst Erfurt hat nur drei der ersten neun Spiele gewonnen, der Zuschauerschnitt ist von einst 800 auf nur noch 500 eingebrochen. Und in der bayrischen Oberliga Süd hat Schönheide drei Punkte aus neun Spielen geholt, wobei die Zuschauer dort (Schnitt 750) die vielen Niederlagen (noch) akzeptieren. Jens Schwabe sagt jedenfalls: „Wir hoffen, dass einige dieser Mannschaften erkennen, dass diese Profiliga nichts für sie ist, sie diese Saison auch finanziell überstehen und dann wieder in einer Liga mit uns spielen.“

Zwei, drei Mitfavoriten

Diese Saison ist also (hoffentlich) so eine Art Zwischensaison, zugleich, so deutet es sich an, die letzte unter freiem Himmel in Niesky. Sportlich ohne Wert wird sie aber nicht sein. „Wir wollen Regionalliga-Meister werden und am Saisonende attraktive Spiele in der Aufstiegsrunde zur Oberliga absolvieren“, erklärt Schwabe. Ein Selbstläufer wird das nach Einschätzung des Trainers trotz der eingangs geschilderten Situation nicht. „Um den Titel werden drei, vier Mannschaften kämpfen“, sagt er voraus. Schwabe rechnet mit den Berlin Blues und den Crimmitschauer Outlaws, vielleicht noch mit dem ESC Berlin und den Chemnitz Crashers. Und die Spiele werden anders als in der vergangenen Saison. „Da mussten wir das Spiel nicht machen, haben oft eine defensive Taktik gewählt und auf Konter gelauert. Das machen jetzt unsere Gegner.“ Beim 5:2-Sieg bei Fass Berlin 1b war das schon zu merken. Die Berliner haben mit Mann und Maus verteidigt, hatten einen überragenden Torwart und lagen nach zwei Dritteln nur mit 2:3 zurück. Die 2:5-Niederlage am Ende feierten sie fast wie einen Erfolg. Auch damit müssen die Nieskyer in dieser Saison leben: klare Siege sind Normalität, knappe Niederlagen werden von den Gegnern gefeiert, Punktgewinne als Sensation. Spaß macht so eine Ausgangsposition mit Sicherheit nicht.

Es ist eigentlich erstaunlich, dass die Mannschaft im Wesentlichen zusammengehalten werden konnte. Lediglich Marcel Leyva und Marcel Linke sowie Vitezslaw Jankovych gehören nicht mehr zum Kader. Linke und Leyva aus gesundheitlichen Gründen, Jankovych hat mit 44 Jahren seine Laufbahn beendet und ist jetzt Trainer in Tschechien. Dazugekommen ist neben Robert Bartlick und Christian Rösler (beide schon während der vergangenen Saison) noch Tristan Schwarz, der in Weißwassers Nachwuchs ausgebildet wurde und zuletzt in Bad Muskau spielte.

Ein Ausländer bleibt dabei

Außerdem spielt jetzt ein Großteil der Nieskyer Förderlizenzspieler in Bad Muskau fest für Niesky. Eine Kooperation innerhalb der Liga ist schließlich nicht mehr möglich. Also setzt der Trainer auch andere Ziele: „Wir werden in dieser Saison verstärkt daran arbeiten, unsere jungen Spieler voranzubringen. Sie werden relativ viel Eiszeit bekommen.“ Die erfahrenen Cracks sollen sie führen. Zu ihnen gehört trotz der Kosten für die Ausländerlizenz auch wieder Mojmir Musil. „Wir haben das mit der Mannschaft und dem Verein beraten. Es gab einstimmige Entscheidung: Moschna hat sich ganz einfach ein weiteres Jahr bei uns verdient“, erklärt Schwabe, der seine Mannschaft vor allem zu Hause glänzen sehen will, zum ersten Mal in neun Tagen.

Quelle: Sächsische Zeitung, vom 29.10.2015
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