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Rätselraten um die Zukunft der Nieskyer Tornados
20.05.15, 10:46 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
In welcher Liga der Eishockey-Drittligist der vergangenen Saison künftig spielt, ist immer noch unklar.

Fußball, Handball, Volleyball – diese und die meisten anderen Sportarten leben von der Spannung, die der Kampf um den Auf- und Abstieg bietet. Im Eishockey ist das anders: Aufsteigen in oder Absteigen aus der ersten Liga? Unmöglich. Eine feste Ligenstruktur über mehrere Jahre? Gibt es nicht. In diesen Strudel sind jetzt auch die Nieskyer Tornados geraten. Der Drittligist, der es in der vergangenen Saison als Vierter der Oberliga Ost immerhin in die Verzahnungsrunde mit den besten vier Teams der Oberliga West geschafft und damit bewiesen hat, in dieser Liga mithalten zu können, weiß noch nicht, in welcher Liga er in der kommenden Saison spielt. „Noch nicht einmal die sonst übliche Sitzung mit allen beteiligten Mannschaften hat stattgefunden. Sie wurde im März abgesagt. Einen neuen Termin gibt es nicht“, sagt Gerd Jandik, 1. Vorsitzender des ELV Niesky und Mannschaftsleiter der Tornados. Grund für die Unklarheit sind neue Pläne des Deutschen Eishockeybundes (DEB).

Was will der DEB mit der neuen Saison verändern?

Die dritte Liga (Oberliga), bisher in vier Staffeln (Süd, West, Ost und Nord) organisiert, soll ab der kommenden Saison in drei oder zwei Staffeln spielen, wobei die Staffel Süd mit dem stärksten Landesverband Bayern unverändert erhalten bleibt. Aus den drei anderen Staffeln sollen zwei, vielleicht auch nur noch eine Staffel entstehen – je nachdem, wie viele Teams für diese „gestraffte“ Liga melden. Der DEB will damit das Niveau der dritten Liga anheben, sieht vor allem außerhalb des Südens Nachholebedarf. Auch wenn die Oberliga-Play-offs der vergangenen beiden Jahre eine andere Sprache sprechen. In den vergangenen drei Spielzeiten setzten sich in den Playoffs zur zweiten Liga nämlich Bad Nauheim (2013), Kassel und Frankfurt/Main (2014) durch. Nur in diesem Jahr war Freiburg aus der Oberliga Süd knapp besser als Duisburg aus der Oberliga West. Außerdem sollen alle Oberligen unter DEB-Regie spielen, was dem DEB neue Einnahmen bringt. Zum Beispiel werden fehlende Nachwuchsmannschaften (mindestens drei, Spielgemeinschaften zählen nur für den Hauptverein) mit 15 000 Euro Strafe belegt.

Welche Probleme sehen die Oberligisten, insbesondere Niesky?

Es gibt vor allem zwei Probleme: Personal und Geld. Eine dritte Liga mit möglichst vielen Spielen in der Punkterunde, danach einer Verzahnungsrunde und Playoffs ist für Amateure kaum zu stemmen. Es soll einen festen Freitag-/Sonntag-Spielrhythmus geben. Auswärtsspiele am Freitagabend bedeuten fast immer einen Tag Urlaub, weil die Anreise sonst nicht zu schaffen ist. Ausnahmen sind Spiele gegen Mannschaften aus einem 300-Kilometer-Umfeld. Sonntags-Auswärtsspiele bedeuten eine Rückkehr in den frühen Morgenstunden des Montags. Danach müssen die Spieler auf Arbeit. Die Nieskyer haben das während der Verzahnungsrunde im Februar/März durchgezogen, waren auswärts oft nur mit einem Minikader angetreten. Die meisten Nieskyer Spieler, die einer normalen Arbeit nachgehen, lehnen diesen Aufwand für eine komplette Saison laut Gerd Jandik ab. Außerdem müsste der Etat für die Mannschaft deutlich erhöht werden?

Welche Mehrkosten kämen auf die Nieskyer zu?

Neben eventuellen Strafen für fehlende Nachwuchsteams sind das vor allem Fahrtkosten, wobei der Nachteil der geografischen Lage ganz am Rand der Republik besonders zu Buche schlägt. „Wir wollen aber mit dem neuen Eisstadion auch unsere Nachwuchsarbeit intensivieren. Und auch das kostet Geld: Übungsleiter, Eiszeiten, Fahrtkosten, Spielerausrüstung. Am Etat der ersten Mannschaft müssen wir da eher sparen“, erklärt Jandik.

Wie weit sind die Verhandlungen mit dem DEB fortgeschritten?

Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Nach der anfänglichen breiten Zustimmung zum DEB-Konzept hat bei vielen Vereinen inzwischen ein Umdenken stattgefunden. Es ist immer noch nicht klar, wie viele Vereine unter den DEB-Bedingungen tatsächlich für die neue Oberliga melden. Leipzig, Halle, Erfurt, auch Schönheide wollen dem Vernehmen nach an der neuen Oberliga teilnehmen. Sogar Regionalligameister Preussen Berlin, obwohl sich die Berliner erst vor zwei Jahren aus der wesentlich billigeren Oberliga Ost aus Kostengründen zurückgezogen haben. In Niesky obsiegt die finanzielle Vernunft, die Tornados sind vorerst für die Regionalliga gemeldet. Im Westen zeichnet sich ein Kompromiss ab. Zunächst könnte in der Oberliga West eine Einfachrunde mit Hin- und Rückspiel unter Regie des Landesverbandes gespielt werden, erst die Meisterrunde danach unter DEB-Regie. Was mit den Ostvereinen bei diesem Kompromissvorschlag passiert, ist dann wieder unklar. In den ostdeutschen Landesverbänden ist man auf den DEB zurzeit nicht besonders gut zu sprechen. Ursache: Der DEB beansprucht die Verbandsabgaben aller Vereine unter DEB-Regie für sich. Bisher hatte sie der Landesverband kassiert – in Sachsen auch von Dresden, Crimmitschau und Weißwasser. Für den sächsischen Verband ist diese Veränderung eine existenzielle Bedrohung.

Gibt es noch andere Vorschläge für die neue Saison?

Tatsächlich hat Andreas Werkeling, Präsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, einen unterbreitet. Es soll eine Art Auffangbecken für all die Vereine aus Sachsen, Thüringen, Berlin, Niedersachsen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern geschaffen werden, denen der Preis für eine DEB-Oberliga zu hoch ist. Das könnte eine neue Regionalliga werden, mit einheitlichen Strukturen, Durchführungsbestimmungen und Bedingungen für alle Vereine. Dieser Vorschlag wäre auch für Niesky interessant, sagt Gerd Jandik. Der 49-Jährige beobachtet auch, was in der Oberliga tatsächlich passiert. Vielleicht kommt ja am Ende eine Regelung zustande, die für Niesky doch tragbar ist.

Wie haben die Nieskyer Spieler auf den Rückzug aus der Oberliga reagiert?

„Sportlich waren sie natürlich nicht begeistert. Schließlich ist das ein Schritt zurück, obwohl das Leistungsvermögen da ist“, sagt Gerd Jandik. Letztlich sehen es aber alle ein. Die meisten hätten die vielen Auswärtsfahrten an Freitagen oder Sonntagen ohnehin nicht stemmen können. Jetzt hoffen alle, dass die neue Saison auch eine sportliche Herausforderung wird und es keine 20:0-Ergebnisse am laufenden Band gibt.Die Spieler haben mündlich zugesagt, dass sie bleiben wollen. Verträge werden erst geschlossen, wenn die Ligenzugehörigkeit (irgendwann im Sommer?) feststeht. Dann wird auch entschieden, ob und wie man die zwei möglichen Ausländerpositionen neu besetzt.
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