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So war mein Olympia
27.02.14, 16:44 Uhr (Quelle: Sächsische Zeitung)
Eishockey-Torfrau Ivonne Schröder erzählt, was sie in Sotschi erlebt hat.
Olympia – einmal dabei sein. Wie habe ich auf diese Wochen hingefiebert. Und im Nachhinein: Der ganze Aufwand hat sich gelohnt, ich werde diese Tage in Sotschi nie vergessen, auch wenn es rein sportlich für meine Mannschaft und mich nicht so gut gelaufen ist. Angekommen in Sotschi sind wir schon am 31.Januar. Wir sind am Nachmittag ins olympische Dorf eingezogen, gehörten zu den ersten Athleten. Sehr eindrucksvoll, was die Russen da aus dem Boden gestampft haben und gleich die Frage: Was passiert damit, wenn wir wieder weg sind? Jede größere Wintersport-Nation hatte ein eigenes Haus, auch wir Deutschen. Wir Eishockey-Spielerinnen haben auf der vierten Etage gewohnt, zu dritt in einem Zimmer - ich zusammen mit Susan Götz und Franziska Busch. Die Zimmer waren eher spartanisch eingerichtet. Normale Hotelzimmer haben da mehr, einen Fernseher zum Beispiel. Aber uns war das egal, so viel auf dem Zimmer wollten wir ja sowieso nicht sein. Am Abend ging es dann schon zum ersten Training. Wir haben einmal am Tag in unserer Spielstätte, der Schaiba-Arena, trainiert, das andere Mal in einer Trainingshalle direkt daneben. Die ganze erste Woche verging mit zwei Trainingseinheiten pro Tag. Nach und nach füllte sich auch das olympische Dorf. Im Laufe der Zeit hat man dort auch die großen Stars getroffen. Wir haben ganz schön darüber gestaunt, dass auch die Eishockeystars aus der NHL im olympischen Dorf und nicht in Luxusappartments gewohnt haben. Getroffen hat man alle in der Mensa. Ich bin ganz stolz darauf, ein Autogramm von meinem Torwartkollegen Henrik Lundqvist ergattert zu haben. Der ist einer der besten Torhüter der Welt, hat einen Riesenanteil an der olympischen Silbermedaille für Schweden und hält in der NHL für die New York Rangers. Wir haben uns oft die Zeit mit „Sportartenraten“ vertrieben. Das war lustig und meistens gar nicht so schwer. Ein Eiskunstläufer sieht eben anders aus als ein Eishockeyspieler, Eisschnellläufer haben dicke Oberschenkel und als Curlingspieler muss man vielleicht nicht ganz so sportlich aussehen. Nur eines haben wir vergeblich gesucht – die legendären Partys, die es in den olympischen Dörfern geben soll. Das deutsche Haus mit Disko war für uns eine Stunde weit weg – da waren wir nur einmal. Wenn, dann sind wir eine halbe Stunde durch den Olympic Parc zum Audi-Haus gelaufen. Da waren wir immer willkommen. Es gab Musik und Tanz und hat andere internationale Sportler getroffen. Am 7. Februar war dann (endlich) die Eröffnungsfeier. Darauf haben sich alle, auch ich, besonders gefreut. Alle Mannschaften haben sich zeitig vor der Feier im Bolschoi-Eispalast getroffen. Wir mussten alle rein in die extrem bunten Olympiaklamotten – aufgefallen damit sind wir ja, aber mein Geschmack sind diese Sachen definitiv nicht. Der Dresscode war generell ziemlich nervig: Die Bogner-Sachen bei Eröffnung, Abschlussfeier und Siegerehrung, im olympischen Dorf hatten wir Adidas Sachsen zu tragen, bei den Wettkämpfen und auf den Tribünen Sachen von Nike. Bei der Eröffnungsfeier haben wir das erste Mal auch unsere Starter aus dem zweiten olympischen Dorf in den Bergen getroffen. Ich habe die Chance genutzt, ein Foto mit mir und unserer Fahnenträgerin Maria Höfl-Riesch zu bekommen. Und man hat gleich gemerkt, dass wir die einzige große deutsche Mannschaft waren. Wir haben für die Stimmung gesorgt und Gesänge angestimmt: „Maria, wir woll’n die Fahne sehn!“. Das mit der Stimmung war übrigens auch auf der Abschlussfeier und beim Empfang in München so. Wenigstens da waren wir Eishockeyfrauen die Besten. Dann ging es rein in das Fischt-Stadion. Von unserem Aufruf, der Ankündigung des Sprechers im Stadion, haben wir nicht viel mitbekommen. Aber diese Runde dort zu laufen und allen zuzuwinken, war trotzdem ein tolles Gefühl – Gänsehaut pur. Dann haben wir unsere Plätze eingenommen und gestaunt, wie viele Nationen noch kommen. Das Programm war dann toll, aber schwierig zu verstehen, es gab keinerlei Erläuterung. Aber die riesigen Skulpturen und Maskottchen waren schon beeindruckend. Ich habe mir die Eröffnungs- und auch die Abschlussfeier zu Hause aufnehmen lassen und werde sie mir definitiv noch einmal anschauen. Zwei Tage später ging es los mit unserem Eishockeyturnier. Ich war leider nur dritte Torhüterin. Das hatte sich schon vor dem Turnier abgezeichnet, und dann hatte ich mir auch noch eine Erkältung eingefangen. Gegen Russland, den vermeintlich stärksten Gegner in unserer Gruppe, haben wir super mitgespielt und nach einem Fehler der russischen Torfrau bis in die 49. Minute geführt. Aber dann sind wir doch noch eingebrochen und haben 1:4 verloren. Mann, war das ärgerlich. Gegen Schweden hatten wir uns dann auch was ausgerechnet – die letzten Spiele gingen immer knapp aus – aber nach dem 0:4 waren alle Träume geplatzt und wir alle ein wenig traurig. Ich hatte gehofft, im dritten Spiel gegen Japan eine Chance zu bekommen, aber der Trainer hat anders entschieden. Platz fünf war noch möglich, aber wir haben einfach zu wenig Tore geschossen und auch noch gegen Finnland 0:1 verloren. Am Ende haben wir unser Minimalziel, den siebenten Platz erreicht. Ich hätte natürlich wahnsinnig gern auch ein paar olympische Pucks gefangen – aber so ist nun mal das Leben eines Torhüters. Als das Turnier am 18. Februar für uns vorbei war, hatten wir endlich mehr Zeit, uns auch andere Sportarten anzuschauen. Ich war mit meiner besten Freundin und meinem Bruder beim Rodeln, habe da den deutschen Sieg im Mannschaftswettkampf gesehen. Wir waren direkt an der Strecke. Dann war ich im Biathlon-Stadion am Schießstand bei der Mixed-Staffel. Beeindruckend, wie nah man da den Startern ist. Den Riesenslalom der Männer habe ich live gesehen und beim Eisschnelllaufen war ich von den Geschwindigkeiten beeindruckt. Absolute Höhepunkte für mich waren aber die Eishockeyspiele der Männer. Als Athlet hatte man zu den Wettkämpfen seiner Sportart immer Eintritt. Man musste nur zeitig genug da sein, um einen Platz im Athletenbereich zu bekommen. Das hat immer geklappt. Und so habe ich unter anderem das Spiel um Platz drei und das Finale zwischen Kanada und Schweden gesehen – mit all den Superstars. Jetzt bin ich zurück in der Wirklichkeit, habe meinen ersten Arbeitstag in der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser hinter mir. Die Olympiasachen sind noch nicht in Weißwasser. Die können wir uns von unserem Stützpunkt abholen. Trainiert habe ich bei meinen Nieskyer Tornados auch schon wieder, will mit ihnen im Pokal noch möglichst weit kommen. Ob ich versuche, noch einmal zu Olympia zu kommen? Das weiß ich heute noch nicht und werde mir über den Sommer überlegen, ob ich in der Nationalmannschaft weitermache. Das hängt auch davon ab, wer alles aufhört und ob der neue Trainer mir realistische Chancen einräumt, auch zu spielen. So wie es jetzt war, würde ich nicht weitermachen. Dafür ist der Aufwand – für die Lehrgänge geht immer Urlaub drauf – einfach zu groß.

Notiert: Frank Thümmler
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